• Joseph Huizinga- Homo Ludens

    In „Homo ludens“ (dt. der spielende Mensch) formuliert Joseph Huizinga 1939 die These, dass der Ursprung der Kultur im zweckfreien, phantasievollen Spiel liegt. Für einen kurzen Moment tun wir so „als-ob“ und tauchen ein in die Sphäre eines Spiels, wo „die Gesetze und Gebräuche des gewöhnlichen Lebens keine Geltung“ (S.21) mehr haben.

    Auch der chinesische Kulturraum wird kurz gestreift, wenn er schreibt: „Nach der altchinesischen Lehre haben Tanz und Musik den Zweck, die Welt im Gleise zu halten und die Natur den Menschen zuliebe zu bezwingen.“ (S.23)
    So wird die fiktive Ordnung des konfuzianischen Rituals der profanen Welt mit ihren Zwängen und Unberechenbarkeiten gegenübergestellt. „Die weitgehende Gleichartigkeit ritueller und spielmäßiger Formen wird damit in helleres Licht gerückt, und die Frage, inwieweit jede sakrale Handlung in die Sphäre des Spiels fällt, bleibt auf der Tagesordnung.“ (S.29)

    Außerdem zu sehen: das L-Spiel, bei dem der Spieler in jedem Zug seinen L-Stein und einen neutralen (schwarzen) Stein bewegen darf, bis sein Gegner wiederum keine Möglichkeit mehr hat seinen L-Stein zu platzieren. Ein wunderbares Beispiel für ein modernes, minimalistisches Spieldesign!


  • Gugong

    Der chinesische Begriff „guanxi“ (關係) ist schwer zu übersetzen und beschreibt das persönliche Netzwerk, die eigenen zwischenmenschlichen Beziehungen, aber auch die damit einhergehenden gegenseitigen Verpflichtungen. Der regelmäßige Austausch von Gefälligkeiten aber auch Geschenken gehört auf jeden Fall dazu. Deshalb wird der Begriff heute gerne in die Nähe von Korruption und Vetternwirtschaft gerückt, wenn z.B. bei Bewerbungsgesprächen „guanxi“ mehr zählt als die eigentlichen Leistungen.

    Der Konfuzianismus befürwortete aber immer eine rituelle Ordnung und schätzte sie sehr viel höher als eine Staatsordnung, die rein auf Gesetzen beruht. Das chinesische Wort für Geschenk (liwu 禮物) beinhaltet immer noch das Zeichen li 禮, welches heute häufig als „Ritual“ übersetzt wird.

    Bei dem Brettspiel Gugong 故宮 (chin. Name für die Verbotene Stadt) schlüpfen wir in die Rolle eines Beamten der Ming-Dynastie (1368-1644), der in den Herrschersitz einzieht und versucht durch geschickte Geschenke an Macht zu kommen. Die auf Karten gedruckten Haarnadeln, Obstkörbe, Vasen, etc. werden also verschenkt, um eine Aktion durchführen zu können. Dabei schicken wir unsere Boote den Kaiserkanal entlang, schmieden Intrigen, unterzeichnen Dekrete, sammeln Jade, bauen an der Chinesischen Mauer oder reisen durchs Land. Das finale Ziel ist dann die Audienz mit dem Kaiser!

    Leider war die Ming-Dynastie für ihre schlechten Staatsfinanzen, Fraktionskämpfe am Hof und Korruption bekannt. Das hat auch dazu beigetragen, dass die Mandschu sie 1644 trotz der Großen Mauer besiegen konnten.
    Aber das Spiel ist einfach großartig!


  • Edward Rutherford- Das Reich der Mitte

    Um an Geld zu kommen entscheidet sich der Brite John Trader in den blühenden Opiumhandel einzusteigen. Doch bevor er die erste Ladung verkaufen kann, bricht auch schon der erste Opium-Krieg (1839-1842) aus.
    Der konfuzianische Gelehrte Lin Zexu (林則徐) wird entsannt um den Drogenhandel zu stoppen, aber letztendlich war er erfolglos. Eine Statue in New York erinnert noch heute an sein Schicksal.
    Außerdem begleitet man einen Eunuchen bei seiner Arbeit am Hof und erfährt viel über die Kaiserinnenwittwe Cixi (慈禧). So geraten die Charaktere in einen Strudel politischer Wirren, der bis zum Ende der Qing-Dynastie reicht.
    Auch wenn das Buch ein wenig kürzer hätte sein können, ist es definitiv empfehlenswert.