
Als das Unternehmen Boulangism Konkurs anmeldet, akzeptiert Salimas Toaster plötzlich kein Brot mehr. Die günstigen Mietwohnungen in dieser zukünftig-dystopischen Gesellschaft sind zwar mit Toastern ausgestattet, aber diese gibt es nur mit einer Brot-Vertragsbindung. Nach kurzer Recherche stellt sich heraus, dass mit der Unternehmenspleite auch der Server abgeschaltet wurde, der für die Sicherheitsüberprüfung des Vertragsbrots zuständig war und so konnte kein Toaster das Brot mehr verifizieren und sicherstellen, dass kein markenfremdes Brot getoastet wurde.
Um dennoch an ein warmes Frühstücksbrötchen zu kommen, muss der Toaster also gehackt werden. Mit Selimas Hilfe gelingt das aber der halben Nachbarschaft und so beginnen die Probleme…
„Wie man einen Toaster überlistet“ ist eine kurze, spaßige Novelle von Cory Doctorow. Einen wirklich überraschenden Twist darf man leider nicht erwarten, aber die Geschichte verdeutlicht einige der wichtigsten Themen heutiger Netzpolitik. Während wir in der online Welt Digital Rights Management (DRM) längst akzeptiert haben, fällt in der offline Welt auf, wie seltsam ein Toaster wäre, der kein Brot fremder Marken toastet. Am Beispiel des Brots wird verdeutlicht, wie sehr Konzerne ihre technische Kontrolle nutzen, um User an sich zu binden und auszubeuten.
Aber natürlich gibt es auch konkrete Beispiele dafür, wie „smarte“ Geräte durch Updates in Funktionen eingeschränkt werden oder nutzlos gemacht werden. Die Google-Tochter Nest hat 2014 das Unternehmen Revolv, einen Hersteller von smarten Thermostaten, gekauft. Obwohl die Thermostate mit einer Lifetime Lizenz angeboten wurden, dauerte es kaum zwei Jahre, bis der Dienst komplett abgeschaltet wurde. Jeder von uns kennt Drucker, die Patronen von Drittherstellern ablehnen, Konsolenspiele bei denen die Mulitplayer-Funktion längst abgeschaltet wurde oder ein berühmtes Beispiel aus jüngerer Zeit: die alten amazon kindles, die den Zugang zum Store verlieren.
Der thematische Schwerpunkt überrascht nicht. Cory Doctorow arbeitete einige Zeit für die Electronic Frontier Foundation (EFF), einer NGO zu Grundrechten und Verbraucherschutz im Informationszeitalter. Die Toaster-Novelle erschien 2018 und einige Jahre später sollte er den Begriff „Enshittification“ prägen. Definitiv ein hübsches, kleines, kurzweiliges Büchlein mit einer politisch brisanten Geschichte, die perfekt in unsere heutige Zeit passt.
