Das Heidelberger Schloss

m Heidelberger Schloss haben wir uns den Friedrichsbau mit seiner imposanten Fassade besichtigt. Sie zeigt in 16 Figuren die Ahnengalerie der Wittelsbacher, die angeblich bis zu Karl dem Großen zurückreichen soll. Friedrich IV. von der Pfalz (1574–1610) bildet den Schlussstein der Reihe, denn er ließ das Gebäude 1607 fertigstellen. Damit handelt es sich um ein wunderbares Beispiel einer Herrschaftsbegründung durch Genealogie, wie man sie auch aus chinesisch-konfuzianischen Ahnentafeln kennt. Die Wittelsbacher waren übrigens eines der ältesten und langlebigsten Herrschergeschlechter Europas. Sie waren von 1180 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs 1918 an der Macht, also knapp 740 Jahre.

Derselbe Friedrich IV, der sich so selbstbewusst in die Ahnengalerie stellte, war für seinen außerordentlichen Durst bekannt. Im Keller des Schlosses ließ er ein gigantisches Fass bauen, um für sich und seinen Hof genügend Wein vorrätig halten zu können, oder so lautet zu mindestens die Erzählung. In Wirklichkeit hat wohl schon sein Onkel und Vormund Johann Casimir das Fass in Auftrag gegeben, als der kleine Fritz noch minderjährig war. Aber mit der Zeit wurde es undicht und zerfiel, sodass es von späteren Herrschern regelmäßig erneuert werden musste und dabei immer auch vergrößert wurde. Das heutige Fass stammt von Karl Theodor, der es 1751 anfertigen ließ und es fasst ca. 219.000 Liter. Ironischerweise erwies sich das barocke Statussymbol als wirtschaftlicher Totalschaden. Wegen ständiger Undichtigkeit wurde das Fass in seiner Geschichte wohl nur wenige Male richtig befüllt. Auch heute steht es leer, selbst wenn man darum herum jede Menge Wein kaufen kann.