Teemuseum im Flagstaff House

Inmitten des Bankenviertels, zwischen hoch aufragenden Wolkenkratzern, befindet sich eine Oase der Ruhe, ein Erholungsort für gestresste Großstädter, ein Kleinod für überforderte Touristen, der Hong Kong Park. Wo sich früher eine Garnison der britischen Streitkräfte befand, sonnen sich heute die Schildkröten auf den Steinen entlang des Sees. Der ehemalige Sitz des Oberbefehlshabers der Streitkräfte ist bis heute erhalten geblieben. Jedoch beheimatet das 1846 erbaute, sogenannte „Flagstaff House“ heute ein Teemuseum.

Die Dauerausstellung des Museums zeigt die Geschichte des Tees in China von der Tang- über die Ming-bis hin zur Qing-Dynastie, also grob von 617 bis ins frühe 20. Jahrhundert. Die Anfänge des Teekonsums liegen bis heute im dunklen und viele Geschichten ranken sich um die Entdeckung des Tees. Zweifellos stellt aber die Veröffentlichung des den „Klassiker des Tees“ (Chajing 茶經) durch den Gelehrten Lu Yu (陸羽) während der Tang-Dynastie (617-907) ein Wendepunkt dar. Zum ersten Mal wird eine Teezeremonie detailliert beschrieben, was für die zunehmende Bedeutung des gemeinsamen Teetrinkens spricht. In dem Buch spricht Lu Yu von der Zubereitung von pulverisiertem Tee, wie wir es heute noch vom japanischen Matcha kennen. Auch in der darauffolgenden Song-Dynastie (960-1279) wurde der Pulvertee mit einem kleinen Besen schaumig geschlagen, bevor man ihn servierte. Die Ausstellung zeigt einige Tassen mit einer für diese Zeit charakteristischen dunklen Glasur, die in goldenem Schriftzug Auszüge aus einem Gedicht des Konfuzianers Zhu Xi trägt.

Als dann die Mongolen das Reich der Mitte eroberten und die Yuan-Dynastie (1271-1368) gründeten, begannen sie Milch zum Tee hinzuzufügen. In der Ming-Dynastie (1368-1644) kehren die Chinesen dann wieder zu der einfachen Methode zurück die unverarbeiteten Blätter aufzugießen. Jetzt wurde auch das typische, weiße Porzellan immer populärer, welches wir heute noch mit China assoziieren.

In der Qing-Dynastie (1644-1912) war es insbesondere Kaiser Qianlong, der sich als Teekenner auszeichnete. Am Ende soll er ca. zweihundert Gedichte über das Teetrinken verfasst haben. Nun wurden die Teeblätter auch immer häufiger fermentiert, um so Schwarztee und Oolong-Tee herzustellen.

Ich jedenfalls hatte einen ganz milden, nur leicht fermentierten und an der Luft getrockneten, weißen Silbernadel-Tee.

Schreibe einen Kommentar