Secrets of the Lost Tomb- Das Ameritrash-Abenteuer der Spitzenklasse

Einleitung


Natürlich wirkt das Spielmaterial von „Secrests of the Lost Tomb“ als stamme es aus den 80igern, seine würfelbasierten Kämpfe sind oft repetitiv und wenn man Pech hat, bringt einen das Spiel einfach vorzeitig um. Aber dieses tischfüllende, jegliche Genregrenzen transzendierendes „Cooperative Pulp Action Adventure Boardgame“ ist ein Höhepunkt des Ameritrash Spieldesigns.

Denn wenn Heidi mit dem Necronomicon in der Hand Piratengeister beschwört und anschließend über die Illuminati-Brücke in den Jurrasic Park spaziert, um dort den Pharao mit den tiefblauen Augen zu erlegen, dann erleben wir eine absurd-spaßige Geschichte von solch thematischer Inkohärenz, dass jedem Eurogame-Afficionado die Haare zu Berge stehen. Mit einer überwältigenden Anzahl an verschiedenen Helden erkundeten wir diesen Flohmarkt aus Mythologie, Epochen und Kunstfiguren.

Spielmaterial und Aufbau


„Secrets of the Lost Tomb“ wurde zwar 2015 veröffentlicht, erinnert aber definitiv an sehr viel ältere Spiele. Das liegt zum einen am Uneinheitlichen Design vieler Spielmaterialien, manche scheinen gemalte Bilder zu enthalten, andere wurden wohl ausschließlich mit dem Computer erstellt. Andererseits wirkt das Material insgesamt, in Zeiten von Kickstarter-Plastikschlachten, relativ mickrig. Während man für die Helden stabile Kartonteile mitgeliefert bekommen hat, stellt man im Falle der Gegner z.B. einfach die gezogene Karte selbst in ein Standee.
Andererseits gibt es ein paar gute Ideen, die sich auch für andere Dungeon Crawler gut eignen würden, wie z.B. die kleinen „Zähne“ welche die einzelnen Bodentiles miteinander verbinden und ein leichtes Verschieben des Dungeons ermöglichen.
Letztendlich handelt es sich aber auch hier um ein typisches Ameritrash-Spiel, welches beim Auspacken erstmal sortiert, gesleevt und organisiert werden will. „Out of the Box“ ist Vieles nur schwer spielbar. So rutschen z.B. die Charaktertableaus wild unter dem Spielerboard hin und her und müssen irgendwie befestigt werden. Wir haben dafür Dokumentenklammern verwendet, aber Büroklammern hätten es bestimmt auch getan.
Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen entfaltet das Spiel seinen ganz eigenen Charme und lädt auch dazu ein, die Bastel-Session zu erweitern und gleich kreativ eigene Charaktere oder Gegner zu entwerfen.

Spielverlauf


Das Regelwerk von „Secrets of the Lost Tomb“ folgt bekannten Prinzipien und erinnert stark an Shadows of Brimstone. Wir erkunden Räume, Monster spawnen, Zufallsereignisse triggern und der Kometentrack zählt die Zeit herunter und macht uns damit Feuer unter dem Hintern. Darauf aufbauend gibt es aber zahllose Detailregeln und wie bei vielen Dungeon Crawlern besteht die Herausforderung im fortgeschrittenen Spiel darin, keines dieser Ausnahmeregelungen, Sonderboni, Zusatzartefakte und Charakterbesonderheiten zu vergessen.

    Der Kampf dagegen ist ein weniger komplexer, was vor allem daran liegt, dass wir mit einem einziger Wurf den Schaden für beide Seiten berechnen und dann auch die Sonderfähigkeiten der Gegner triggern. Außerdem muss man beachten, dass es reguläre Gegner gibt, Schwarmgegner, fortgeschrittene Monster und Bosse. Beim Zusammenstellen des „Dice Pools“ haben wir aber schnell mehr als zehn Würfel zusammen und sie dann mit beiden Händen zu werfen, gehört einfach zu dem unvergesslichen Spielgefühl eines gelungenen Ameritrash-Spiels.

    Natürlich ist der Spielverlauf sehr zufallsbasiert und je nach aufgedecktem Bodentile hat man eine einfachere oder schwerere Partie. Das Spiel findet aber auf drei Ebenen statt, quasi im Untergeschoss und in zwei weiteren, noch tiefer darunter liegenden Kellern. Damit wird aber auch sichergestellt, dass man zunehmend schwerere Herausforderungen überstehen muss. Im Allgemeinen wird relativ wenig Loot gedroppt und man muss sich aktiv darum kümmern eine bessere Ausrüstung zu finden. Auch wenn wir letztes Wochenende in einem Spiel zu viert fast 3,5 Stunden benötigt haben, verging die Zeit wie im Flug und endete in einem epischen Kampf gegen den Endgegner.

    Fazit


    „Secrets of the Lost Tomb“ ist eine aufreibende Achterbahnfahrt durch die Welt des Pulp, bei dem manchem Spieler schnell übel werden wird. Andere werden diese heißlaufende Geschichtenerzählungsmaschine gerade deshalb lieben. Es handelt sich definitiv um ein guilty pleasure und Musterbeispiel für die schönen klassischen Ameritrash-Spiele. Sicherlich kein Spiel für jedermann, aber für jene, die so etwas zu schätzen wissen, ein Leckerbissen der Extraklasse