





Das Napier-Museum in Trivandrum, der Hauptstadt der Provinz Kerala in Indien, beeindruckt schon allein durch seine Architektur. Das Gebäude wurde 1880 errichtet und nach dem damaligen britischen Gouverneur Francis Napier benannt. Dabei mischt es Stile verschiedener Kulturen. So z.B. Buntglasfenster und kleine Türmchen aus Europa, Dächer aus geflochtenen Kokosblättern wie in Kerala üblich, vier turmartige Aufbauten, die an Minarette erinnern und das ganze kombiniert mit detaillierten Schnitzereien und bunten Backsteinen. Das Gebäude selbst ist die Synthese von indo-islamischen und europäischen Stilen unter dem Dach des britischen Kolonialismus.
Das älteste Ausstellungsstück stammt aus dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert und ist eine Buddhastatue aus Gandhara, dem heutigen Afghanistan. Wo heute die Taliban herrschten, blühte für fast tausend Jahre der Buddhismus (von ca. 250 v.u.Z. bis ins 7. Jhr. n.u.Z.). An dieser Statue lässt sich an dem fließenden Fall des Gewandes auch die griechischen Einflüsse auf die Steinmetze der Region feststellen. Das gehört nämlich zu den interessantesten Aspekten des einstigen Buddhismus im Nahen Osten: durch die Kriegszüge von Alexander dem Großen verbreitete sich die hellenische Kultur bis nach Indien und beeinflusste damit auch den Buddhismus.
Ansonsten gab es viele weitere Statuen zu bestaunen, auch wenn die verschiedenen indischen Götter mit ihren zahlreichen Manifestationen sehr verwirrend sind. Eine moderne Darstellung von Shiva, Gott der Zerstörung, von dem Künstler Roy Choudhury (1899-1975) hat es mir besonders angetan. Daneben war auch feines Porzellan aus China ausgestellt, das wohl schon während der Yuan und Ming Dynastie seinen Weg nach Indien gefunden hat.
Damit ist das Museum sowohl von seiner Architektur als auch von den Ausstellungsstücken her ein Beweis für die Jahrtausende überspannende Zusammenarbeit der Völker, für den Kontakt zwischen den Kulturen, den Austausch über Grenzen hinweg.
