Die Backwaters von Kerala

Nur wenige Minuten von Kuvalam entfernt, hinter den Lagunen am Meer liegen flache, brackige Gewässer: die sogenannten Backwaters von Kerala. Mehrere Flüsse aus den Bergen münden dort, Kanäle durchziehen das Land, und bei Regen und Gezeiten steht vieles unter Wasser. An den Ufern wachsen noch Reste von Mangroven, dazwischen Kokospalmen und tiefliegende Reisfelder. Dieses Gewirr aus Wasser, Schlick und Grün wurde zum Lebensraum einer fantastischen Vielzahl an Tieren.

Nahezu lautlos glitten wir auf einem Stocherkahn durch den dichten Mangrovenwald und bekamen dabei Storche zu sehen, den berühmten Brahmanenweih (ein kastanienbrauner Adler mit weißem Kopf), einen Kormoran (ein schwarzer Tauchvogel, der auch von Fischern abgerichtet wird) sowie mehrere kleine Eisvögel mit ihrer charakteristischen, blauen Färbung. Leider waren wir eine der wenigen Touristengruppen, die noch mit einem veralteten Stocherkahn durch die Gewässer kutschiert wurden, während neben uns meistens die Bootsmotoren auf voller Lautstärke dröhnten, um dem Effizienzstreben unserer Zeit den passenden Beiklang zu geben: mit solchen Motorbooten lässt sich in kürzerer Zeit ja viel mehr Fläche abklappern.

Obwohl es Vogelschutzprogramme gibt und die Backwaters für den Ökotourismus zentral sind, stehen die Mangrovenwälder weiter unter starkem Druck. Seit den 70igern sind 95% davon zerstört worden. Landgewinnung, ein großer Hafen, Besiedlung und Kokospflanzungen haben dazu geführt, dass nur noch wenige schmale Streifen und Inseln unberührt geblieben sind.

In jüngerer Vergangenheit gab es deshalb zwei größere Gerichtsverfahren gegen die Provinz Kerala, die den staatlichen Umweltschutzauflagen nicht zu genüge nachkam: zunächst klagte eine Umweltschutzorganisation vor dem National Green Tribunal (NGT) in Delhi, welches die Provinz 2023 zu einer Strafe von ca. 1,1 Mio. Euro verdonnerte (10 Crore Rupis) und nachdem sich trotzdem kaum etwas änderte, klagte ein Anwalt 2024 erneut und zwang damit die Lokalbehörden einen Sanierungsplan vorzulegen. Ob das aber genügen wird, um die Mangroven zu retten, bleibt zu bezweifeln.