
Zum 65sten Geburtstag meiner Mutter sind wir nach Indien geflogen und haben ein paar Tage in Kovalam, in der Nähe von Trivandrum, der Hauptstadt der Provinz Kerala verbracht. Der südindische Küstenstreifen gilt auch als Ayurveda-Hochburg und ohne es geplant zu haben, hatten wir das große Glück während der Onam-Festlichkeiten dort gewesen zu sein.
Ayurveda stammt von āyus, was so viel heißt wie „Leben, Lebensspanne“ und veda, also übersetzt „Wissen, Wissenschaft“ und ist quasi der altindische Ableger der heutigen „Longevity“-Bewegung. Statt Bluttransfusionen und Kältekammern gibt es Curry und Öl-Massagen. Dabei geht man davon aus, dass jeder Mensch von Geburt an ein festgelegtes Mischungsverhältnis von drei grundlegende Wirkwiesen im Körper hat: Vata, für die Bewegung und die Nerven, Pitta, für Wärme und Wandel, und Kapha, welche für Stabilität und Aufbau steht. Im Ayurveda glaubt man, dass Krankheiten dadurch entstehen, dass dieses angeborene Mischverhältnis aus dem Gleichgewicht geraten ist. Um alles wieder in Balance zu bringen, muss man auf die passende Ernährung, passende Bewegungsübungen und schließlich, wenn sonst nichts hilft auch auf die passende Medizin zurückgreifen. Deshalb war auch in unserem Hotel jedes Gericht mit den entsprechenden Bezeichnungen gekennzeichnet.
Beim Onam Fest wird die Rückkehr des tugendhaften Königs Mahabali gefeiert. Dieser war so gerecht, dass Wohlstand und Friede im ganzen Reich herrschten. Angesichts solcher Meriten wurden die Götter neidisch. Also erschien Vishnu in der Gestalt eines Zwerges und verlange Audienz beim König. Der Zwerg bat um drei Fuß Land und ohne zu zögern, stimmte der König zu, doch dann wuchs der Zwerg auf magische Weise zu einem gigantischen Riesen heran! Mit dem ersten Schritt bedeckte er die ganze Erde, mit dem zweiten Schritt den ganzen Himmel. Für den dritten Schritt bot der König seinen Kopf und mit einem ordentlichen Stampfer landete Mahabali in der Unterwelt. Dort verbringt er nun fast das ganze Jahr, nur an Onam ist es ihm gestattet zu seinem Volk zurückzukehren.
Zu seinen Ehren werden die Häuser geputzt, man kocht ein Festmahl und gestaltet wunderschöne Blumenteppiche, Pookalam genannt. Diese Blütenmuster, die vor vielen Haustüren zu finden sind, werden von Tag zu Tag größer und aufwendiger bis zum Haupttag der Festlichkeiten.
Die Statue, vor der wir das Foto geschossen haben, stellt übrigens ein Avatar Shivas dar, der in der Region verehrt wird.
