





Mein erster Eindruck von Seoul erinnerte mich an ein Zitat von Friedrich Wilhelm Kiel, dem Oberbürgermeister meiner Heimatstadt Fellbach zwischen 1976 und 2000. Heute schmückt sein Zitat die Backsteinwand am Pécs-Brunnen, der an die Städtepartnerschaft zwischen dem ungarischen Pécs und Fellbach erinnern soll.
„Die Menschen in ganz Europa wollen Frieden. ‚Nicht-Krieg‘ ist zu wenig.“
Wie sich die Situation des „Nicht-Kriegs“ im Vergleich zum Frieden anfühlt, lässt sich vielleicht in der Hauptstadt Südkoreas ein klein wenig besser nachvollziehen. Nur 50 bis 60 km von der nordkoreanischen Grenze entfernt begegnet man in Seoul regelmäßig Soldaten auf der Straße oder findet am Hauptbahnhof eine eigene Lounge für Militärangehörige. Die Wehrpflicht dauert immer noch 18-22 Monate und dementsprechend zackig sehen viele junge Männer aus. Vielleicht ist mein erster Eindruck aber auch dadurch geprägt, dass ich gleich am ersten Tag das Militärmuseum bzw. die Koreanische Kriegsgedenkstätte besucht habe.
Das ehemalige Hauptquartier der südkoreanischen Armee wurde Anfang der 90iger Jahre zu diesem Museum umgebaut. Auf dem Vorplatz befindet sich das Mahnmal zur Erinnerung an den Koreakrieg, sowie auf seiner rechten Seite einen kleinen Park mit ausgestelltem Kriegsgerät. An einem Umgang stehen auf schwarzen Marmortafeln die Namen aller bekannten koreanischen Gefallenen des Koreakriegs und des Vietnamkriegs. Im Museum selbst erhielten alle Nationen, die damals am Koreakrieg auf Seiten Südkoreas beteiligt waren, eine eigene Vitrine. Dazu gehörte auch Deutschland, welches medizinische Hilfe beisteuerte, sowie Luxemburg, die mit den Belgiern zusammen kämpften.
Zum Glück handelte das Museum aber nicht ausschließlich vom Koreakrieg, sondern beherbergte auch historische Rüstungen und Waffen. Besonders beeindruckend war dabei ein Nachbau eines Schildkrötenpanzerschiffs in Originalgröße, welches in dieser Form Ende des 16. Jahrhunderts eingesetzt wurde. Trotzdem hinterließ das Museum in mir am Ende eine bedrückte Stimmung.

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