Octavia E. Butler- Kindred

An ihrem 26. Geburtstag im Jahr 1976 wird der jungen Schwarzen Dana Franklin plötzlich schwindlig und mit einem Schlag findet sie sich am Ufer eines Flusses wieder in dem gerade ein rothaariger Junge am Ertrinken ist. Sie rettet den Kleinen, erfährt noch, dass er Rufus heißt und wird geschwind in ihre Wohnung zurückkatapultiert.

Außerstande diese Sprünge zu kontrollieren, dauert es nicht lange bis sie sich nach einem Schwindelanfall erneut in einer anderen Welt wiederfindet. Dieses Mal steckt der junge Rufus gerade die Vorhänge seines völlig antiquiert wirkenden Kinderzimmers in Brand. Dana löscht die Vorhänge und findet heraus, dass sie in die Vergangenheit gereist ist. Wir schreiben das Jahr 1815 und Dana befindet sich auf einer Baumwollfarm in Baltimore, Maryland, also in einem der sklavenhaltenden Südstaaten. Ehe sie sich versieht, befindet sie sich erneut in ihrer eigenen Zeitlinie.

Nun stellt Dana Nachforschungen an und findet heraus, dass in der alten Familienbibel Rufus Weylin als ihr Urgroßvater genannt wird. Im Laufe mehrerer Sprünge in die Vergangenheit verdichtet sich der anfängliche Verdacht: Dana muss sicherstellen, dass ihr Vorfahre Rufus zu mindestens so lange überlebt, bis ihre Großmutter geboren wurde. Während in Danas Gegenwart kaum Zeit vergeht, verbringt sie gefühlt viele Monate auf der Plantage im frühen 19. Jahrhundert, wo ihr als Schwarzer immer wieder die Versklavung droht. Rufus entpuppt sich zwar als vielschichtiger Charakter, aber auch als gewalttätiger Rassist. Um zu überleben, muss sie sich im komplizierten sozialen Gefüge der Sklavenhaltergesellschaft zurechtfinden. Sie erlebt Erniedrigungen, wird ausgepeitscht und leidet auch unter den psychischen Konsequenzen der Unterdrückung. Am Ende steht Dana vor einem moralischen Dilemma, weil sie Rufus Leben beschützen muss, obwohl ihre Großmutter bei einer Vergewaltigung gezeugt wurde.

„Kindred“ gilt heute oft als Klassiker der Science-Fiction Literatur, was wahrscheinlich hauptsächlich darauf zuzuführen ist, dass Octavia Butler später für ihre sci-fi Romane (wie z.B. Xenogenesis-Reihe) bekannt geworden ist. Ich finde dagegen, dass es nur schwer einzuschätzen ist, ob es sich bei „Kindred“ überhaupt um Science-Fiction handelt, weil der Mechanismus mit dem Dana in die Vergangenheit reist, nicht erklärt wird. Es gibt keine naturwissenschaftlich-technische Lösung für das Problem der Zeitsprünge. Deshalb könnte man das Werk genauso gut dem Fantasy Genre zuordnen. Ungeachtet irgendwelcher Einordnungen handelt es sich aber um ein Buch, das auf einzigartige Weise die Rassenproblematik thematisiert.

Eine neue deutsche Übersetzung mit dem Titel „Verbunden“ soll im Februar 2026 im Heyne-Verlag erscheinen. Eine ältere Übersetzung, bei der der Titel mit „Vom gleichen Blut“ übersetzt wurde, ist leider längst vergriffen und heute nur noch antiquarisch und sehr teuer zu erhalten.