



„Die einfachen Themen der chinesischen Schnitte, die nur wie im Flüsterton, nur in Andeutungen zu uns sprechen: diese Blüten und Früchte, Stauden, Steine und Gräser verlangen eine liebevoll gesammelte Betrachtung, ein empfindliches Auge und einläßliches Studium.“
(Emil Preetorius- Chinesische Holzschnitte, 1958, S. 33)
An vielen Stellen liest man dem Geleitwort dieses Buches an, dass es aus der Mitte der 50iger Jahre stammt. Sein Editor Emil Preetorius beginnt darin die Vorteile des chinesischen Kunstdrucks zu loben, an dem man die „Triebart und Triebrichtung einer nationalen Kunst“ sehr viel besser erkennen könne als an den herausragenden Einzelschöpfungen japanischer Meister
Der Grafiker, Kunstsammler und berühmte Bühnenbildner Preetorius beschreibt die Unterschiede zwischen dem berühmten japanischen Holzschnitt und dem weniger bekannten chinesischen Holzschnitt folgendermaßen: „das Geistig-Gespannte, Konstruktiv-Bewußte, das im besten Verstande Artistische des Japaners und des Chinesen sinnen-seelenhaftes Fühlen, sein Einssein mit der Natur und ihrer wesenhaften Essenz, sein selbstvergessenes Schwingen im ewigen Rhythmus des Alls.“ (S.39) Man folgt also gänzlich dem Stereotyp: der rational-vernünftige Japaner auf der einen Seite und der sinnlich-intuitive Chinese auf der anderen.
Als ich das Buch in einem Trierer Antiquariat gefunden habe, war es dementsprechend nicht das Vorwort, das mich zum Kauf bewogen hat, sondern die wunderschönen Buntdrucke darin, die meistens auch mit einem Gedicht versehen sind.
Dieses hier hat mir besonders gefallen und außerdem passt es auch gut zur Jahreszeit. Bei der hier abgebildeten Blume müsste es sich um einen Silber-Brandschopf bzw. Hahnenkamm handeln, der z.T. auch noch bis in den Herbst hinein blüht.
