




Bei dem Spiel „Formosa Tee“ schlüpfen wir in die Rolle eines taiwanischen Teefabrikanten, der sowohl Arbeiter als auch Meister koordinieren muss, um den perfekten Tee anbieten zu können. Obwohl die Thematik eher auf ein ruhiges, gediegenes Spiel hindeuten würde, handelt es sich bei „Formosa Tee“ um einen ordentlichen Klopper, der die Hirnzellen durchaus zum Glühen bringen kann.
Zunächst wachsen drei verschiedene Teesorten auf unseren Feldern: Oolong, schwarzer- und grüner Tee. Beim Ernten müssen wir die Wetterbedingungen beachten, da zu feuchter Tee eine mindere Qualität abgibt. Während alle Spieler von gemeinsamen Feldern pflücken, entspricht das Spielertableau der individuellen Fabrikhalle. Hier finden wir verschiedene Möglichkeiten den Tee zu trocknen, zu rollen und zu fermentieren. Gelingt es uns bis zum Schluss nicht, einen hochwertigen Tee herzustellen, so können wir das Gestrüpp immer noch aromatisieren, um so einen höheren Preis dafür zu erzielen. Schließlich kann man den schlechten Tee auf dem heimischen Markt verkaufen und den guten Tee ins Ausland verschiffen.
Dabei versucht sich das Spiel einerseits sehr nahe am Verarbeitungsprozess von echtem Tee zu halten und andererseits historische Ereignisse aus der Geschichte der Teeverarbeitung in Taiwan nachzustellen. Gerade letzteres gibt „Formosa Tee“ einen ganz besonderen Flair! Unsere Spielcharaktere, die natürlich jeweils mit Sonderfähigkeiten daherkommen, sind allesamt historische Persönlichkeiten, die im Zusammenhang mit dem taiwanischen Tee-Anbau stehen. So kann man z.B. Li Chun Sheng spielen, der die kostbaren Pflanzen aus Südchina importierte oder John Dodd, einem schottischen Geschäftsmann, der als erster taiwanischen Tee im Westen verkaufte.
„Formosa Tee“ ist ein liebevoll gestaltetes Kennerspiel, bei dem ein verführerisch ulkiges Nieschenthema mit ziemlich komplexen Mechaniken verknüpft wurde. An einigen Stellen hätte ich mir tatsächlich gewünscht, dass das Spiel ein bisschen leichtgängiger und lockerer gewesen wäre. Aber mit einer Tasse taiwanischem Oolong-Tee bewaffnet, kann eigentlich gar nichts schief gehen.
