Die Tempelanlage von Bayon

Die Tempelanlage von Bayon liegt nördlich von Angkor Wat und ist für ihre imposanten Türme mit meterhohen eingemeißelten Gesichtern berühmt. Wem dieses friedlich dreinblickende Gesicht gehört, ist bis heute Gegenstand wissenschaftlicher Debatten.

König Jayavarman VII ließ den Tempel um das Jahr 1200 herum erbauen. Man geht daher davon aus, dass die Gesichter seine Züge tragen. Man weiß aber auch, dass die Gesichter entweder Brahma darstellen sollen. Dafür spricht, dass es meistens vier Gesichter an einem Turm gibt und Brahma oft als viergesichtig dargestellt wird. Andererseits gibt es aber auch Stimmen, die behaupten, dass das Gesicht dem Bodhisattva Lokeshvara gehört (auch Avalokiteshvara) oder in China Guanyin (觀音) genannt. Es ist faszinierend, wie populär dieser Bodhisattva des Mitgefühls in weiten Teilen Asiens ist. In China wird „er“ in weiblicher Form verehrt, genauso wie in Japan, wo die Erleuchtete unter dem Namen „Kannon“ bekannt ist. Für diese Hypothese spricht, dass das Bayon der einzige Tempel in Angkor war, in dem hauptsächlich buddhistische Gottheiten angebetet wurden.

Das Bayon wurde kurze Zeit nach Angkor Wat gebaut und verfügte wahrscheinlich über 49 Türme, von denen heute aber nur noch 37 stehen. Ähnlich wie bei Angkor Wat ist auch hier das Erdgeschoss mit Wandreliefs versehen und direkt am Eingang wird man von den halbgöttlichen Himmelstänzerinnen, den Apsaras begrüßt. Heute befinden sich in den Gängen zwischen den Türmen viele Darstellung des Gottes Shiva in Form eines „Lingam“, also einen Phallus in einem Art Becken, welches die Yoni repräsentieren soll. Shiva, der Schreckliche, stellt in dieser Form seine göttliche Schöpfungskraft zur Schau.