





Der Jongmyo-Schrein in Seoul dient der konfuzianischen Ahnenverehrung für die Herrscher der Joseon-Dynastie, die Korea von 1392 bis zur Eroberung durch die Japaner 1910 beherrschten. Der Schrein wurde von dem Dynastiegründer König Taejo erbaut und besteht aus einer hundert Meter langen Halle mit einem ummauerten, rechteckigen Hof davor. In der Halle, die in zahlreiche Kammern unterteilt ist, befanden sich traditionellerweise die Gedenktafeln der Könige und Königinnen der Dynastie. Obwohl diese heute andersweitig gelagert werden, war die Halle selbst leider nicht zugänglich.
Jedoch werden die Tafeln einmal im Jahr, am ersten Sonntag im Mai, zurückgebracht, um ein Ritual (Jongmyo Daeje) zu Ehren der Königsfamilie zu veranstalten, welches seit 2008 auch auf die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit eingetragen ist. Mit Legosteinen wurde eine Miniatur der aufwendigen Zeremonie nachgestellt. Auf dem Parkgelände befanden sich noch weiter Gebäude, unter anderem auch ein kleines Mini-Museum, in dem Replikate der verschiedenen Gedenktäfelchen im Laufe der Geschichte ausgestellt waren.
Nach altchinesischer Vorstellung, die auch in Korea übernommen wurde, hielt man die menschliche Seele nämlich für zweigeteilt. Grob gesprochen dachte man, dass im Moment des Todes der irdisch-weibliche Teil po (魄) nach unten sinkt, während der himmlisch-männliche Teil hun (魂) in die Höhe steigt. Erstem Seelenteil ehrt man am Grab, wo die Gebeine liegen, zweiterem Seelenteil am Gedenktäfelchen, welches traditionellerweise im Familienschrein aufbewahrt wird.
