



Der Guinsa Tempel dient als Hauptquartier für den koreanischen Ableger des chinesischen Tiantai (天台) Buddhismus. In ein enges Tal hineingebaut, drängen sich die Gebäude den Hang hinauf. Der Tempel ist vergleichsweise neu und entstand erst nach dem Zweiten Weltkrieg, im Jahr 1945. Während des Koreakrieges brannten dann die alten Hallen nieder, aber seit den 60iger Jahren wird der Tempel mitsamt seiner umfangreichen Klosteranlage stetig ausgebaut. Heute kann der Guinsa Tempel bis zu 10 000 Mönche fassen und noch weitaus mehr Besucher in riesigen Speisehallen verköstigen. Glücklicherweise kamen wir auch dazu, dort ein veganes Mittagessen zu futtern.
Die Tiantai-Schule des Buddhismus entstand im sechsten Jahrhundert n.Chr. in den südchinesischen Tiantai-Bergen. Für diese Glaubensrichtung spielt das Lotus-Sutra eine entscheidende Rolle. Das ist auch der Grund dafür, weshalb man unter den Ornamenten des Tempels auch immer wieder die Lotusblume entdeckt. Das Sutra handelt davon, dass, dass alle Wesen das Potenzial zur Buddhaschaft besitzen und letztlich durch die Lehre Buddhas zur Erleuchtung geführt werden können. Buddha Shakyamuni gilt als immerwährende, rettende Kraft und nicht nur als historische Person. Dementsprechend verkündet das Lotus-Sutra eine optimistische und inklusive Heilsbotschaft: jeder kann Erleuchtung finden.
Symbol der Bewegung ist eine buddhistische Ritualwaffe bzw. Zepter, der sogenannte Vajra. Die Tiantai-Schule ist zwar bis heute aktiv, aber mittlerweile sehr viel weniger einflussreich als in vergangenen Jahrhunderten. Die Gedanken des Tiantai verbreiteten sich schnell im asiatischen Raum und bildeten eine wichtige Grundlage für andere Strömungen des Buddhismus, die heute sehr viel verbreiteter sind, wie z.B. Zen, Reines-Land- und Nichiren-Buddhismus.
Die vier Statuen, die ich hier gezeigt habe, stellen Schutzgottheiten dar, die verhindern sollen, dass im Tempel Schindluder getrieben wird.






