Der Goldene Pavillon- Kinkakuji (金閣寺)

Die zwei obersten Stockwerke des Kinkakuji (金閣寺) sind vollständig mit Blattgold überzogen, weshalb der Tempel auch den Namen „Goldener Pavillon“ trägt. Ursprünglich war die Anlage im Nordwesten Kyotos der Alterswohnsitz von Shogun Ashikaga Yoshimitsu (1358-1408). Der aktuelle Bau ist jedoch sehr viel jünger, da die Gebäude im Laufe ihrer Geschichte häufig abgebrannt sind. Zuletzt geschah dies am 2. Juli 1950, als der Tempel Opfer eines Brandanschlags wurde.

Dieser Brandanschlag ist auch das Thema von einem von Yukio Mishimas Romanen mit dem passenden Titel „Der Goldene Pavillon“. Darin erzählt er die fiktive Geschichte eines jungen buddhistischen Mönches, der von der Schönheit des Pavillons so in Bann gezogen wird, ja so besessen ist, dass er sich dazu entschließt ihn zu zerstören. Die Geschichte behandelt den mentalen Zerfall der Hauptperson, die zusehends den Bezug zur Realität verliert. Die Kernthemen aus Mishimas Werk treten zutage: Schönheit und ihre Vergänglichkeit, der Wert der Kunst, Tod und Gewalt. Um für seinen Roman zu recherchieren, besuchte Yukio Mishima den echten Brandstifter im Gefängnis. Die Mühe hat sich gelohnt, denn heute zählt das Buch zu seinen wichtigsten Werken.

Heute jedenfalls erstrahlt der Kinkakuji wieder schadlos in güldenem Glanz. Tatsächlich streiten sich Historiker darüber, ob der ursprüngliche Tempel wirklich so flächendeckend mit Goldfarbe angestrichen bzw. mit hauchdünnem Gold überzogen war. Die ältesten (cholorierten) Fotografien des früheren Tempels zeigen nämlich ein leicht heruntergekommenes Gebäude, bei dem die Farbe bereits an allen Ecken und Enden abblätterte. Wahrscheinlich befindet sich der Kinkakuji heute in einem makelloseren Zustand, als zum Zeitpunkt des Brandanschlags vor 75 Jahren.

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