





Der Chion-in Tempel vertritt die Reine-Land-Schule des Buddhismus (Jìngtǔzōng 淨土宗). Auf Deutsch wird diese Glaubensrichtung manchmal Amitabha-Buddhismus genannt bzw. in seiner explizit japanischen Ausgestaltung auch „Jodo-Schule“. Der japanische Begründer der Schule, der Mönch Honen (1133-1212) lebte an diesem Ort und predigte, dass vor allem das regelmäßige Rezitieren von Buddhas Namen genügt, um das „Reine-Land“ zu erreichen. Das „Reine-Land“ ist dabei selbst noch kein Zustand der Erleuchtung, sondern vielmehr eine Art Paradies, in dem der Gläubige nach seinem Tod die idealen Bedingungen vorfindet, um durch intensive Meditation die wahre Erleuchtung zu erreichen. Der Kerngedanke besteht darin, dass in einer chaotischen, unbeständigen Welt wie der unseren nur wenige auserwählte Menschen die Fähigkeit besitzen im Nirvana aufzugehen. Immerhin ist es über Generationen hinweg nur Siddharta Gautama gelungen! Deshalb soll man sich aber nicht entmutigen lassen, denn durch das Chanten von Buddhas Namen werden wir im Jenseits, im Reinen Land, die Gelegenheit haben die Erleuchtung zu erreichen. Auf diese Weise steht auch unbegabten oder sündigen Menschen der Weg offen sich aus dem Kreislauf des Leidens zu befreien. Diese neue Lehre erlangte schnell große Beliebtheit.
In der Edo Periode (1600-1868) wurde der ursprünglich sehr schlichte Tempel vom ersten Shogun Tokugawa Ieyasu massiv ausgebaut und vergrößert. Seitdem verbrachten zahlreiche Kaiser Japans ihren Lebensabend in dem Tempel. Ebenfalls zu dieser Zeit, nämlich im Jahr 1621 wurde das massive Eingangstor des Chion-in Tempels erbaut. Tatsächlich ist es mit einer Breite von 26,70m und einer Tiefe von 12,30m das größte Tempeltor Japans.
Außerdem beherbergt der Chion-in Tempel zahlreiche Schätze. Darunter z.B. die berühmten „Zwitscherflure“ (鶯張り uguisubari), die so konstruiert sind, dass sie bei jedem Schritt einen hohen Ton von sich geben, der dem Gesang der Nachtigall gleicht. Damit sollte verhindert werden, dass sich Assassinen oder Ninjas, Räuber und Banditen unbemerkt nähern können. Da ich eine besondere Leidenschaft für große Glocken hege, durfte ich mir natürlich auch die 80 Tonnen schwere Tempelglocke nicht entgehen lassen.

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