Chinesisches Neujahr 2026

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Heute, am 17.2.2026, beginnt das Jahr des Feuer-Pferdes. In der chinesischen Astrologie verbindet man die fünf Elemente mit den zwölf Tierkreiszeichen zu einem 60 Jahre umspannenden Zyklus. Das nächste Mal wird also erst 2086 ein Feuer-Pferd durch das Jahr galoppieren. Da ich im Jahr des Metall-Pferdes geboren bin, spüre ich natürlich eine ganz besondere Beziehung zu diesem Jahr 😉

Für die letzte Kaiserdynastie Chinas waren Pferde auch besonders wichtig. Immerhin stammten die herrschenden Mandschu von den nomadischen Reitervölkern aus den nördlichen Steppen Asiens ab. Der italienische Künstler Giuseppe Castiglione, der im 18. Jahrhundert viele Jahre im Dienste der chinesischen Kaiser stand, ist ein leuchtendes Beispiel für den frühen Kulturaustausch zwischen Europa und Asien. Als Jesuit reiste er mit missionarischem Auftrag in das Reich der Mitte und arbeitete über 50 Jahre lang als Hofmaler. Dabei prägte er die chinesische Malerei tiefgehend und schuf einen Stil, der versuchte die farbenfrohe Darstellung europäischer Ölgemälde mit der schlichten Ästhetik chinesischer Tuschemalerei zu verbinden.

Zu jedem Feuer-Pferd gehört auch ein Feuerreiter! Und wer hätte diesem ein nachdrücklicheres Denkmal geschaffen als Eduard Mörike? Der schwäbische Dichter, der in Ludwigsburg geboren wurde und auch einige Monate in meinem Heimatdorf Fellbach gelebt haben sollte, schrieb 1824 das ikonische Gedicht. „Hinterm Berg, hinterm Berg. Brennt es in der Mühle!“
Da hat es mich sehr gefreut herauszufinden, dass die chinesischen Germanisten fleißig gearbeitet haben und eine chinesische Übersetzung der berühmtesten Gedichte Mörikes existiert.
Tatsächlich hat das Jahr des Feuer-Pferds auch in der chinesischen Tradition eine durchwachsene Reputation. Es gilt als ereignisreich, aber auch als gefährlich. Insbesondere in Japan, wo dieselben Sternzeichen verwendet werden, führte das die letzten paar Male zu einem spürbaren Rückgang der Geburtenrate. Viele Eltern entschieden sich in einem solchen Jahr kein Kind auf die Welt zu bringen. Nun ja, optimistisch gesprochen würde man von einem dynamischen, wild-leidenschaftlichen Jahr sprechen.

Die Übersetzung des Gedichts von Mörike stammt aus: Xiuli Jin (Hrsg.)- Eduard Mörike, Chinesisch-Deutsche Jahres- und Tageszeitung, Peter Lang- Internationaler Verlag der Wissenschaft, 2009, S.27f.

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