

Vor kurzem wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass sich in den sozialen Medien ein neuer Trend abzeichnet: das Chinamaxxing. Dabei geben sich Influencer bewusst Chinesisch, essen Dumplings, schlürfen Nudelsuppe, beißen in Hühnerfüße und springen in Hanfu-Kleidern von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten. Vor allem auf Tiktok verbreiten sich diese Videos, in denen Nutzer ihre „Chineseness“ maximieren.
Die großen westlichen Medienhäuser haben den Trend dann aufgegriffen und davon berichtet. Der britische „Guardian“ hat einen Artikel dazu, bei BBC gibt es einen Beitrag auch der Spiegel schreibt darüber. Handelt es sich um den nächsten Evolutionsschritt der chinesischen Soft-Power? Um das nächste Level des chinesischen Kultureinflusses?
Vielleicht, immerhin steht der Trend nicht allein, sondern geht einher mit vielen weiteren Lebensbereichen, in den China sichtbarer wird (Automobilindustrie, Entertainment, Kulinarisches, etc.) Andererseits wird oft kritisiert, dass die Darstellung Chinas im Fall der „Chinamaxxer“ zu unkritisch sei. Fröhliche Bilder, statt harter Fakten. Wird die junge Generation nun politisch indoktriniert und verliert jegliche Fähigkeit zum kritischen Denken, nur um zum willenlosen Sklaven der KPC zu mutieren und die deutsche Demokratie zu bedrohen?
Wohl kaum, zumal die rechtslastig-zombifizierenden Kräfte auf den Plattformen nicht weniger einflussreich sind. Trotzdem ist Medienkompetenz natürlich ein wichtiges Thema und eine kritisch-distanzierte Berichterstattung sollte natürlich nicht zu kurz kommen.
Trotzdem ist es angesichts multipler Krisen in der Welt schön zu sehen, wenn Menschen verschiedener Kultur zusammenkommen und Austausch gelingt. Beim letzten Laternenfest am 3. März diesen Jahres veranstaltete das Konfuzius-Institut Trier eine kleine Feier, bei der wir in traditioneller Kleidung gemeinsam Laternen gebastelt haben. Ist es verrückt mit Klebstoff zu hantieren, wenn das Oberteil so lange Ärmel hat? Auf jeden Fall! Ist es albern mit einer solchen Plastik-Laterne durch die Innenstadt zu laufen? Sowieso! Gibt es viele kritisierenswerte Dinge an China und seiner Stellung in der Welt? Zweifellos!
Wichtig ist, dass wir unsere zwischenmenschlichen Beziehungen nicht durch diese Konflikte vergiften lassen. So bleiben wir frei für den gelegentlich so notwendigen Quatsch.
