


Bubbalogie
Der Bubbasoph und Bubbaloge im Widerstreit. Hier am vermeintlichen Ursprungsort des Bubble-Teas, dem Chun Shui Tang (春水堂) Restaurant in Taichung kann man sich der Versuchung einer bubbasophischen Betrachtung kaum entziehen.
In jüngster Vergangenheit erlebten wir die Entstehung eines neuen, vielversprechenden Forschungsbereichs, nämlich der Bubbalogie, die sich mit der Herstellung, der Geschichte und den sozialen Auswirkungen des Bubble Tees beschäftigt. Das taiwanische Nationalgetränk besteht klassischerweise aus kaltem Schwarztee, der mit Kondensmilch, Zucker und den berühmten Tapiokaperlen versehen ist. Die einzigartige Zusammenstellung seiner Zutaten ist Ausdruck einer Jahrhunderte zurückreichenden Globalisierungsgeschichte.
Der Schwarztee, stammt aus der chinesischen Nachbarschaft und die Milch von den westlichen Barbaren. Diese waren solch harschen Lebensumständen ausgesetzt, dass sich eine genetische Mutation durchsetzen konnte, die es auch Erwachsenen ermöglichte, weiterhin Milch zu verdauen, der sogenannten Laktosepersistenz. Zuckerrohr dagegen ist auch keine in Taiwan einheimische Pflanze, sondern stammt vermutlich aus Neuguinea, wurde aber schon während der Ming-Dynastie auf der Insel angepflanzt. Am interessantesten ist aber vielleicht die letzte Zutat: die Tapiokaperlen (chenchu 珍珠). Diese werden aus der Stärke der Maniok-Wurzel hergestellt. Maniok (mushu 木薯) wurde schon von den Südamerikanischen Ureinwohner gegessen und ist aus aztekischen Quellen bekannt. Die Pflanze gelangte in den Laderäumen holländischer Handelsschiffe auf die Pazifikinsel. Die Tapioka-Stärke (mushu dianfen 木薯澱粉) erhielt ihren Namen von dem Wort für „Sediment“ aus der Sprache der Tupi-Ureinwohner, die ursprünglich in der brasilianischen Küstenregion lebten. Für diese war Maniok so wichtig, dass sie sich eine eigene Ursprungslegenden für diese Pflanze erzählen. Als die Tochter eines Tupi Häuptlings eine jungfräuliche Geburt erlebt, bringt sie ein weißhäutiges Mädchen zur Welt mit tiefschwarzen Augen, die Mani genannt wird.
Ohne Anzeichen von Krankheit stirbt das Mädchen aber schon nach einem Jahr und wird ehrenvoll begraben. Aus ihrem Grab wächst dann die erste Maniok-Pflanze, die seitdem als Grundnahrungsmittel und Geschenk der Götter gilt.
Bubbasophie
Im Gegensatz zur Bubbalogie, nimmt die Bubbasophie den Tee zum Anlass für die Reflexion des ganzen Globus im Glas.
In dem Moment, in dem der Mensch zum Strohalm greift und die Plastikfolie durchsticht, öffnet er sich einer neuen Weltwahrnehmung. Er verschafft sich einen trinkenden Zugang zur Realität und wird zum homo bibere. Gleichzeitig wird das Prinzip des Trinkens aber auch hinterfragt, da man den Bubble Tea, halb kauend, halb schluckend zu sich nimmt. Eingesaugt durch ein technoides Extraktionsinstrument gelangt die Flüssigkeit ins Leibesinnere und transzendiert die Grenze zwischen Innen und Außen. Was einst dort war, ist nun drin. Was nur Wort war, macht jetzt Sinn.
Das Konzept des Versehens und Verhörens wurden andernorts zu genüge behandelt, aber wer den Bubble Tee gekostet hat, weiß, dass jede andere gustatorische Wahrnehmung einem „Verschmecken“ gleicht. Und so muss der Bubble Tea verstanden werden als Getränk gewordener Aphorismus über Grenzen und Kulturen überschreitende Großartigkeit.

Schreibe einen Kommentar