Ueno Park

Der Ueno Park nördlich des Stadtzentrums von Tokyo gilt als kultureller Dreh- und Angelpunkt der Stadt. Nicht nur befindet sich dort das Japanische Ntionalmuseum, sondern auch das Museum für westliche Kunst (in einem von LeCorbusier entworfenen Sichtbetonbunker), eine Konzerthalle und mehrere Tempel und Schreine. Unter anderen lässt sich auch der Shinto Schrein zu Ehren des dritten Reichseinigers Tokugawa Ieyasu (1542–1616) dort besichtigen.

Warum gleich drei Reichseiniger? Das ganze 16. Jahrhundert hindurch versank Japan im Chaos und verschiedene Feldherren führten zahlreiche Kriege, ohne sich dauerhaft an der Macht halten zu können. In Anlehnung an die frühe Geschichte Chinas, spricht man von dieser Epoche auch von der „Zeit der Streitenden Reiche“. Die militärische Vereinigung dieser des in kleine Machtblöcke zersplitterten Japans zog sich über mehrere Jahrzehnte hin. Ausschlaggebend waren der mächtige Feudalherr Oda Nobunaga, sein General Toyotomi Hideyoshi und schließlich deren Verbündeter Tokugawa Ieyasu.

Es gibt verschiedene Analogien, um den Regierungsstil der drei Herrscher zu vergleichen. So spricht man z.B. davon, dass Oda Nobunaga die Steine brach, die für den Bau des neuen Staates notwendig waren, Toyotomi Hideyoshi diese bearbeitete und schließlich Tokugawa Ieyasu die Steine zusammensetzte. Besser gefällt mir aber der Vergleich mit der Herstellung der leckeren Mochis. Demnach stampfte Nobunaga den Reis, Hideyoshi formte die Mochis und Ieyasu aß sie auf.

Jedenfalls endeten mit der Herrschaft von Tokugawa Ieyasu die chaotischen Zustände und die Edo-Zeit begann. Mit einer Dauer von 250 Jahren bildet sie die längste Friedenszeit der japanischen Geschichte, andererseits ging sie aber auch mit einer Abschottung von der Außenwelt einher, die erst mit der Ankunft amerikanischer Schiffe unter Commander Perry 1853 gewaltsam beendet wurde.

Auf dem Weg zum Schrein von Tokugawa Ieyasu läuft man an ca. 280 Steinlaternen und 50 Bronzelaternen vorbei, die von verschiedenen Daimyos gesponsort wurden. 1627 erbaut, wird heute nicht nur der Reichseiniger dort verehrt, sondern auch der achte sowie der letzte Shogun aus dem Clan der Tokugawa.

Jetzt habe ich mich doch ein wenig von der Geschichte davontragen lassen… Außerdem gibt es im Ueno Park noch den Gojōten-Schrein zu sehen. Dort wurden die Bilder mit den Torii-Toren geschossen. Folgt man entlang des Weges, gelangt man zum Shinobazu-Teich in dessen Mitte der Benten-do Tempel thront. Eigentlich wird dort die buddhistischen Volksglauben entstammende Göttin Bentaizen verehrt, die für Wohlstand, Glück und Musik zuständig ist. Jedoch wird sie in der japanischen Tradition mit dem Geist/kami von Ugaijin gleichgesetzt. Jener wird meistens als Schlange mit menschlichem Kopf dargestellt und ist eine Fruchtbarkeits- und Erntegottheit.

Schreibe einen Kommentar