Hong Kong Museum of Art

Das „Hong Kong Museum of Art“ bietet einen wilden Ritt durch die Kunstgeschichte Chinas. Von hochmodernen KI unterstützten Installationen, über Kalligraphie der Hofbeamten bis hin zu Ming-zeitlichen Lackwaren oder den Schnupftabakfläschchen der chinesischen Kaiser, alles wird einem geboten und das sogar kostenfrei!

Natürlich sind die neueren Werke besonders aufregend. Was hier z.B. den Eindruck eines überdimensionierten Bildschirmschoners erweckt, ist tatsächlich ein KI generiertes und auf Bewegung reagierendes Kunstwerk. Vom Künstler Chris Cheung wurde es „Cinemorpheque“ genannt. An anderer Stelle wird Klassik und Moderne gekonnt verbunden, wenn industrieller Abfall zu Bonsai-Bäumchen geformt wird oder aus Rohren und Kabeln anmutige Zen-Gärten entstehen.

Schnupftabakfläschchen

Höhepunkt der Ausstellung waren aber mit Sicherheit die Schnupftabakfläschchen! Während bereits die Portugiesen Mitte des 16. Jahrhunderts Tabak nach China brachten, erregte das Rauchen der Pflanze schnell die Aufmerksamkeit der Staatsgewalt und wurde unter Strafe gestellt. Das Schnupfen des pulverisierten Tabaks dagegen war weiterhin erlaubt und galt sogar als medizinisch wertvoll. Zur Zeit der frühen Qing-Dynastie, also gegen Mitte des 17. Jahrhunderts, drückte der chinesische Mann von Welt seinen feinen Geschmack dadurch aus, dass er besonders verzierte Schnupftabakfläschchen mit sich führte. Die Tradition starb dann mit dem Ende der Qing-Dynastie und der Republikzeit schnell aus.
SchnupftabakfläschchenSchnupftabakfläschchen
Trotzdem handelt es sich um ein schönes Beispiel dafür, wie die europäische Kultur von den kaiserlichen Eliten rezipiert wurde. Während in Europa die Herrscherhäuser voller chinesischem Porzellan standen und man sich an „Chinoiserien“ erfreute, zogen sich die chinesischen Machthaber eine Portion Snuff durch die Nase und bewunderten die englischen Uhren.

Heute sind die Fläschchen nicht nur begehrte Sammelobjekte, tatsächlich wird das Thema auch intensiv erforscht, und zwar von der „International Chinese Snuff Bottle Society“, die nicht nur jährlich eine Konferenz ausrichtet, sondern auch ihr eigenes Journal herausbringt.

Vielleicht gerät der Schnupftabak in heutiger Zeit bald wieder ins Rampenlicht. Bei sich immer stärker verschärfenden Nichtrauchergesetzen, stellt er vielleicht die Alternative dar. Lösungen aus dem 17. Jahrhundert für Probleme aus dem neuen Jahrtausend! Es gibt ja auch kein Passivschnupfen und soweit ich weiß, kann man sich das Pulver selbst im Flieger durch die Nase ziehen. Wo kann ich Unternehmensanteile kaufen?

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