Der Sonne-Mond See (Rìyuètán 日月潭)

Der Sonne-Mond See (Rìyuètán 日月潭) liegt mitten in Taiwan und ist der größte See der Insel. Die ganze Gegend ist nicht ans Schienennetz angeschlossen und auch ansonsten recht verschlafen. Als wir mit einem kleinen Reisebus in Shuishe, dem Hauptverkehrsknotenpunkt am See, ankamen, stellten wir fest, dass man das malerische Dörfchen in zehn Minuten fast vollständig auskundschaften konnte. Hauptattraktion ist die 1971 errichtete Jesus Kirche (Yesutang 耶穌堂) in der der gläubige Christ Chiang Kai-shek bei seinen Ferienaufenthalten an der Messe teilgenommen haben soll. 

Unser Hotel lag aber auf der gegenüberliegenden Seite des Sees, in einem Städtchen mit dem Namen Ita Thao. Als wir am frühen Abend dort ankamen, mussten wir feststellen, dass die Läden schon begannen zu schließen. Gerade noch so bekamen wir ein Abendessen. Das Dorf ist nach dem Ureinwohnerstamm der Thao benannt, die in der Region seit Anbeginn der historischen Aufzeichnungen leben. Heute existieren nur noch rund 800 Mitglieder dieses Stammes, nachdem sie durch Landnahme und Umsiedlungsprojekte dezimiert wurden. 

Bereits 1934, also noch unter der japanischen Kolonialherrschaft, wurden zahlreiche Dämme zur Stromgewinnung gebaut. In den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg, lieferte das Wasserkraftwerk am Sonne-Mond See sogar ca. 60% des Stroms in Taiwan. Heute liegt der Anteil des Kraftwerks an der gesamten, aus Wasserkraft gewonnenen, Strommenge Taiwans bei ca. 56%. 

Am nächsten Tag machten wir uns dann aber auf die Umgebung zu entdecken. Südlich des Sees befindet sich die Ci-En-Pagode (Cí’ēn tǎ 慈恩塔), deren Spitze sich 46 Metern über dem Boden, aber exakt 1000 Meter über dem Meeresspiegel befindet. Sie wurde, genauso wie die Jesus Kirche, 1971 auf Anordnung von Chiang Kai-shek erbaut. 

Eine weitere Sehenswürdigkeit entlang des Sees ist der Wenwu-Tempel (Wénwǔ Miào 文武廟). Der vordere Teil des Tempels ist dem antiken Kriegshelden Guan Yu (關羽) aus der Zeit der Drei Reiche (208-220 u.Z.) gewidmet, im hinteren Teil findet man dann die Statuen von Konfuzius und seiner wichtigsten Schüler. 

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