



Während man im alten China auf Bambusstreifen schrieb, benutzte man im alten Südindien dafür Palmblätter.
Das „Palm Leaf Manuscript Museum“ in Trivandrum, Kerala wurde 2023 in einem ehemaligen Gefängnisgebäude errichtet und stellt heute hauptsächlich Amtsakten von 1249 bis 1896 aus, also Berichte über Steuererhebungen, viele Verträge über Ländereien, Kriegserklärungen und Amtsernennungen. Man muss sich nur vorstellen, dass selbst unter der britischen Kolonialherrschaft Palmblätter weiterhin das Medium für offizielle Schriftstücke blieben! Das Museum ist so klein und familiär, dass wir beim Betreten zunächst gebeten wurden die Schuhe auszuziehen. Ohne darum gebeten zu haben, bekamen wir gleich eine großartige, private Führung durch das ganze Gelände und weil wir schon etwas spät dran waren, wurde hinter uns das Licht ausgeschaltet und die Türen abgeschlossen 😊
Zur Herstellung der Palmblätter werden die Blätter zunächst gekocht, geglättet und gelocht. Dann werden sie zu großen, runden Bündeln zusammengefasst und riesigen, mehrstöckigen Regalen gelagert.
Anhand der Jahrhunderte überspannenden Aufzeichnungen lässt sich die Entwicklung der heutigen Sprache der Provinz Kerala nachzeichnen: das heute dort gesprochene Malayalam entwickelte sich aus dem Tamil (das heute noch im Norden Sri Lankas und in Südost-Indien gesprochen wird) und stammt nicht aus dem Sanskrit und ist keine indo-germanische Sprache, sondern wird zu den sogenannte „dravidischen Sprachen“ gezählt. Verschiedenste Schreibweisen und Zeichensysteme existierten parallel und erschweren die Entzifferung der heutigen Manuskripte. Erst mit westlichen Missionaren wurde die Schrift vereinheitlicht, um die Bibel übersetzen und lesbar machen zu können. Zunächst veröffentlichten fast nur Christen gedruckte Zeitungen und Lehrbücher, später übernahmen auch malayalische Gelehrte die neue Norm und heute lernt jedes Schulkind ein standardisiertes Alphabet, während andere Schreibwege langsam verblassten.
