Eindrücke von Waiblingen

Der Beinsteiner Torturm befindet sich am historischen Stadtrand von Waiblingen. Eine Brücke führt an dieser Stelle über die Rems und von einer kleinen dort angebrachten Plakette erfahren wir, dass bis 1934 der gesamte Verkehr von Schwäbisch Hall nach Stuttgart durch das schmale, mittelalterliche Stadttor geleitet wurde. 1491 auf einem quadratischen Grundriss errichtet, ist der Turm mit seinen 37,3m Höhe auch heute noch ein imposantes Wahrzeichen der Stadt. Auf der Flussseite befindet sich über dem Tor das Wappen von Herzog Eberhard im Bart von Württemberg (1459-1496) sowie eine sehr viel später entstandene Abbildung einer mittelalterlichen Schlacht aus der Nazizeit (1938).

In Laufnähe vom Beinsteiner Tor entfernt befindet sich die Stihl Galerie, gegründet von der Erbin des schwäbischen Kettensägen-Königs. Vor dem ohnehin ungewöhnlich modern anmutenden Gebäude, wurde zusätzlich eine Edelstahl Skulptur angebracht, die an einen eisernen Springbrunnen erinnert. Kontrastiert wird diese technoide Szenerie durch ein Fachwerkhaus im Hintergrund.

Die aktuelle Ausstellung beschäftigt sich mit impressionistischen Druckgrafiken. Anders als bei den klassischen Impressionisten wie Monet oder Seurat wird hier nicht mit strahlender Farbe gearbeitet. Stattdessen beschränkt man sich auf schwarz, weiß, Grautöne und Schattierungen, um stimmungsvolle Momente festzuhalten. Die nächtliche Straßenbeleuchtung frühindustrieller Städte und die Spiegelung der Lichter in schmutzigen Straßenpfützen, Dampf und Nebel werden dargestellt.
Neben den Motiven selbst, spielt auch die Kunsttechnik bei der Ausstellung eine wichtige Rolle. So wird z.b. das Cliché-Verre verfahren beschrieben, bei dem das Bild in eine Glasplatte eingeritzt wird, die mit einer lichtundurchlässigen Schicht überzogen wurde. Anschließend wird das Glas auf ein fotosensibles Blatt gelegt und belichtet. Es handelt sich also um eine Zwischenform aus Zeichnung und Fotografie.
Dieses kleine Museum zu besuchen und die vielen schwarz-weißen Grafiken aus vergangener Zeit zu betrachten war ein schöner Kurzausflug in eine vergangene Welt.

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