Ukiyo-e (jap. 浮世絵)

Der japanische Farbholzschnitt kennt zwar viele Stilrichtung, ist aber besonders im Kontext des Ukiyo-e (jap. 浮世絵), auf Deutsch „Bilder der fließenden Welt“, bekannt. Diese bilden den Alltag der Menschen ab, ihre kulturellen Feierlichkeiten sowie ihr Lebensumfeld. Eben das vergänglich-flüchtige Schöne. Bei einem Farbholzschnitt wird das Bild zunächst in verschiedenen Ebenen in eine Holzplatte geschnitzt. Die sogenannten Holzschneider verwenden extrem feine Messer, um die dünnen Linien für Hände, Frisuren und Gesichter eingravieren zu können. Meist hatte man acht solcher Druckplatten, die mit verschiedenen Farben angepinselt wurden und die, nacheinander eingesetzt, das fertige Bild ergaben.

Bekannte Beispiele dafür sind Hiroshiges Bild „Regenschauer über der großen Brücke in Atake“ von 1856 oder die zahlreichen Darstellungen exotischer Schönheiten durch Kunisada. Der Detailreichtum von Kuniyoshi Utagawas Kriegsschiff ist genauso atemberaubend, wie seine Darstellung des Todes durch ein riesiges Skelett gruselig ist. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Farbholzschnitte auch die damaligen europäischen Künstler inspirierten. Vincent van Gogh war beispielsweise so begeistert, dass er den „Regenschauer“ Hiroshiges selbst nachmalte.

Während der wohl berühmteste Vertreter des Ukiyo-e, der Maler Hokusai (1760-1849) sich in Japan seinen Ruhm verdiente, schrieb der chinesische Dichter Shen Fu (1763-1825) in Suzhou seine „Sechs Berichte über ein fließendes Leben“ (chin. Fu sheng liu ji 浮生六記). Weil sich Japan zu dieser Zeit kulturell stark abschottete und keine Fremden in das Land ließ, ist ein direkter gegenseitiger Einfluss nahezu auszuschließen. Vielmehr scheint das „Fließende“ wie das Vanitas-Motiv im europäischen Barock zu der damaligen Zeit im asiatischen Kulturraum in der Luft gelegen zu haben.