

Mit diesem Buch werden wir Zeuge der Selbstbekenntnisse eines alternden und verrenteten Künstlers, der sich im japanischen Kaiserreich einen Namen als Propagandamaler gemacht hat und nach Kriegsende seine politischen Verstrickungen reflektiert. Die Geschichte kennt keinen allwissenden, auktorialen Erzähler, der den Leser über die Sachlage aufklären könnte, stattdessen blicken wir durch die Augen der fiktionalen Hauptfigur Masuji Ono auf das Japan der späten 40iger und frühen 50iger.
Masuji Ono gelingt es anfangs nur schwer zu begreifen, dass er, der einstmals angesehene, berühmte Maler jetzt zu einer persona non grata geworden ist. Während sich die Mitmenschen ihm gegenüber noch höflich, aber zurückhaltend verhalten, wird seine schlechte Reputation zu einem großen Problem, als seine Tochter keinen Ehemann finden kann. Im Laufe des Buchs, beginnt Ono Verantwortung für sein früheres Verhalten zu übernehmen und bei einem Gespräch mit der Familie eines Verehrers seiner Tochter, entschuldigt er sich sogar für seine Handlungen. Am Ende bleibt jedoch unklar, inwiefern Ono seine ideologische Verblendung wirklich überwindet, weil er immer wieder Erinnerungen beschreibt, in denen er nostalgisch die Vergangenheit verklärt. So versucht er auf ganz naive Art und Weise Kontakt zu einem früheren Schüler (Kuroda) aufzunehmen, den er zuvor denunziert hatte und der, aufgrund seiner Aussagen übelste Folter erleiden musste. Als dieser ihn zurückweist, fühlt er sich schon fast gekränkt.
Der Leser erfährt auch bis zum Schluss nicht, wie die Bilder ausgesehen haben, die Ono gemalt hat. Zwar erzählt der Maler viel von den technischen Details seiner Werke, aber vom Inhalt redet er wenig. Nur an einer Stelle erfährt man, dass seine Bilder auch Slogans enthielten und nicht nur unter seinen Mitschülern für Aufruhr sorgten, sondern sogar seinen Lehrer dazu veranlasst hatten, ihn der Schule zu verweisen.
Der Titel des Buches spielt auf den Begriff der „fließende Welt“ an, der auch Namensgeber der speziell japanischen Holzschnitzkunst gewesen ist: Ukiyo-e. Im Buddhismus noch als abwertender Begriff für die unbeständige, flüchtige Welt verstanden, wurde das Wort mehr und mehr dazu verwendet die bittersüße und viel zu kurze Existenz der Schönheit zu beschreiben.
Auch der letzte Satz des Romans bleibt dementsprechend ambivalent. Handelt es sich um eine Relativierung der Gräueltaten des japanischen Kaiserreichs oder um einen zukunftsfrohen, versöhnlichen Blick in die Zukunft? „Our nation, it seems, whatever mistakes it may have made in the past, has now another chance to make a better go of things. One can only wish these young people well.“
Da der Inhalt der Bilder in diesem Roman unklar bleibt, sieht man hier die Werke von Tsuguharu Foujita (1886-1968), einem interessanten Künstler, der in den Roaring Twenties ein Dandy-haftes Leben in Paris führte, bevor er nach Japan zurückkehrte und als Kriegsmaler arbeitete. In den 30igern zeigte er sich zutiefst beeindruckt von Faschismus und Rassismus und wurde zu einem berühmten Mitglied der „Army Art Association“ Japans. Hier abgebildet ist sein erstes Kriegswerk „Nanchang Airport Fire“. Nach dem Zweiten Weltkrieg war seine Reputation in Japan zerstört, sodass Foujita nach Frankreich auswanderte. Später wurde er französischer Nationalbürger und konvertierte zum Katholizismus. Seine Überreste liegen heute in der Kapelle Notre-Dame-de-la-Paix in Reims.
