




Seoul verfügt über fünf große Paläste, die allesamt in der langlebigen Joseon-Dynastie (1392-1910) erbaut wurden und während der japanischen Besatzung 1910-1945 stark beschädigt wurden. Zwei davon konnte ich während meines kurzen Ausflugs besuchen: den Gyeongbokgung-Palast (경복궁, 景福宮, kurz GBG) und den Changdeokgung-Palast (창덕궁, 昌德宮, kurz CDG).
Der Gyeongbokgung-Palast (GBG) wurde im Jahr 1395 unter König Taejo, dem Gründer der Joseon-Dynastie, erbaut. Er ist der größte und prächtigste der fünf Paläste und war ursprünglich als der erster Hauptpalast der Joseon-Dynastie geplant. Im Zuge eines verheerenden Krieges gegen Japan zwischen 1592 und 1598 wurden jedoch alle Palastanlagen Seouls niedergebrannt. Anschließend wurde der benachbarter Changdeokgung-Palast (CDG) zum neuen Regierungssitz, sodass der Gyeongbokgung-Palast (GBG) für mehr als 250 Jahre verlassen blieb, bevor er 1868 wieder aufgebaut wurde.
Etwas mehr als 40 Jahre später wurde Korea 1910 von Japan annektiert. Die neuen Besatzer begannen damit die Palastgebäude abzureißen und am selben Ort eigene Verwaltungsgebäude im modernen Stil zu erbauen. Als symbolische Zerstörung der koreanischen Kultur wurden auf diese Weise bis 1945 mehr als 80% des Palastes entfernt. Seit 1990 erfolgte dann der sukzessive Rückbau der japanischen Gebäude und eine Rekonstruktion des Gyeongbokgung-Palasts. Bis heute halten die Wiederaufbaumaßnahmen an und sollen auch erst 2045 abgeschlossen sein.
Heute liegt der Palast in der Innenstadt Seouls am Ende einer Prachtstraße auf der auch die Statue von König Sejong (1397-1450) befindet, der als Erfinder des koreanischen Alphabets gilt. Der Eintritt in den Palast ist kostenlos, wenn man in traditionelles koreanisches Gewand trägt, weshalb man tatsächlich sowohl Einheimische als auch Ausländer sieht, die im sogenannten „hanbok“ durch die Anlage schlendern. Jeden Tag um 10:00 Uhr und um 14:00 Uhr findet eine Wachablösungszeremonie statt.





Der zweite Palast, den ich in Seoul besichtigen konnte, ist ironischerweise bekannt für seinen „geheimen“ Garten (Huwon), der sich hinter der Anlage, verborgen zwischen ein paar Hügeln, befindet. Eine weitere Besonderheit des Changdeokgung-Palast (昌德宮, kurz CDG) besteht darin, dass sie sich den topographischen Begebenheiten des Ortes anpasst. Während man traditionellerweise symmetrisch gebaut hätte, schmiegt sich der CDG-Palast an den Hang und nimmt Asymmetrien in Kauf, um sich harmonisch in die Natur einzufügen.
Nach dem ersten größeren Krieg gegen Japan Ende des 16. Jahrhunderts war der Palast bis zur Rekonstruktion des Gyeongbokgung-Palasts (GBG) 1868 Sitz des Königshauses. Während sich in den vorderen Gebäuden die Verwaltung und der Hofstaat befanden, war der „geheime“ Garten der Königsfamilie und den Palastfrauen vorbehalten. Der Garten ist riesig und umfasst einen Lotusteich, verschiedene Pavillons und mehrere kleinere Gebäude, in denen die Königsfamilie das „Landleben“ kennenlernen konnte








