





Der Weg des Philosophen (哲学の道) führt im Schatten unzähliger Kirschbäume, entlang eines kleinen Bachs (dem Biwasee-Kanal) durch eine verschlafene Nachbarschaft und grenzt an so viele Tempelanlagen, dass es schwer ist sie alle auseinanderzuhalten. Auch der Shoren-in und der Chion-in Tempel aus einem vorherigen Beitrag befinden sich in der unmittelbaren Nachbarschaft. Der Name dieses kleinen Pfads, soll auf Kitaro Nishida (1870-1945) zurückgehen, dem Begründer der modernen japanischen Philosophie, von dem man sich erzählt, dass er am Rand dieses Wegs gerne meditierte.
Der Tempel Eikan-dō Zenrin-ji wird der Jodo-Schule des Buddhismus zugerechnet, die von dem Mönch Honen (1133-1212) im 12. Jahrhundert gegründet wurde. Kernlehre dieser Glaubensrichtung ist, dass das Chanten des Namen Buddhas dafür sorgt, dass wir im Jenseits im Reinen Land wiedererwachen, einem Ort, der sich für die innere Sammlung und Meditation so gut eignet, dass die Erleuchtung zum Greifen nahe ist. Gleichzeitig enthält der Tempel viele Aspekte des japanischen Shintoismus. Hier z.b. eine kleine Opferstätte auf einer künstlichen Insel inmitten des Tempelteichs.
Der urige Honen-in Schrein hat mir auch besonders gut gefallen. Mit seinen von Moos bewachsenen Dächern, steht er im Schatten hoch aufragender Bäume und macht den Eindruck vom Wald halb überwuchert zu sein.
Nach dieser kühlen Abwechslung ging es zum Ginkaku-ji Tempel, der sich durch seine hoch aufgetürmten Sandkegel in den Steingärten auszeichnet. „Ginkaku“ bedeutet eigentlich „Silber Pavillon“, aber von Silber ist weit und breit nichts zu sehen. Ursprünglich wollte man die Fassade mit einer dünnen Silberfolie beschichten, aber während der Konstruktion brach ein Krieg aus (Onin-Krieg, 1467-1477) und die Fertigstellung verzögerte sich so lange, dass man den anfänglichen Plan aufgab. Auf diese Weise zeigt der Tempel, dass auch das Unvollendete wunderschön sein kann.

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